„tupo pamoja“
 H.I.T und die Marafiki in Lupombwe

„Marafiki“ bedeutet übersetzt „die Freunde“ und ist seit dreizehn Jahren der klangvolle Namen einer engen Partnerschaft zwischen der Kirchengemeinde Blankenese und der Gemeinde Lupombwe in Tansania. Alle zwei Jahre reist eine kleine Gruppe von ca. 15 Jugendlichen zusammen mit Pastor Poehls von Hamburg nach Tansania, um sich über die Wasserquellen, die Situation der Aidswaisen sowie über die Zustände an den Schulen zu informieren. Schon das dritte Mal waren Abgesandte der H.I.T.-Stiftung mit vor Ort, um die Kinder in den Partnerdörfern  Lupombwe, Iduda, Ludodolelo, Kisasatu und Mbalace auf Sehfehler zu untersuchen und bei Bedarf mit Brillen zu versorgen. 2019  stand die Reise unter dem Motto „tupo pamoja“ – was auf Swahili so viel bedeutet, wie „Wir sind zusammen“!

Es war die Nacht auf den 3. Oktober 2019. Unsere Maschine landete nach einem langen, aber entspannten Flug in Dar es Salaam. An eine Pause war nicht zu denken: Einreise, Gepäck holen und ab in den Bus. Trotz unglaublicher Müdigkeit machten wir kaum ein Auge zu, so viele Eindrücke prasselten auf uns ein. Beim Sonnenaufgang durchquerten wir gerade den Mikumi Nationalpark. Uns stockte der Atem, als eine kleine Elefantenfamilie die Straße vor unserem Bus überquerte.

Nach 12 Stunden Busfahrt erreichten wir den ersten Zwischenstopp: Iringa! Eine charmante Stadt in der Mitte Tansanias. In den belebten Straßen herrschte reges Treiben und überall blühten die Jacaranda Bäume in einem kräftigen Lila. Bei dem kurzen Besuch auf dem Markt vermischte sich der Blütenduft mit fremdartigen, würzigen Gerüchen. Der Empfang in der Stadt war grandios herzlich und bleibt ebenso in Erinnerung, wie der traumhafte Sonnenuntergang zum Abendessen, mit dem unser erster Tag im Hotel zu Ende ging.

 

4 Oktober, 7 Uhr Morgens:  Die nächste Etappe beginnt. 12 Stunden liegen zwischen uns und unserem Ziel Lupombwe. Es war später Nachmittag, als vor uns das Dorf auftauchte. Wir sahen schon aus der Ferne das Begrüßungskomitee: Alle Dorfbewohner, Männer, Frauen wie Kinder waren versammelt, tanzten und sangen. Die Herzlichkeit mit der wir aufgenommen wurden, lässt sich kaum beschreiben. Freudentränen, Gänsehaut konnten nicht zurückgehalten werden und in allen Gesichtern zeichnete sich pures Glück und Freude ab. Nach dem Einzug in das Gästehaus haben wir die erste Nacht geschlafen, wie ein Stein.

Startschuss für das Abendteuer Lupombwe

Um 6 Uhr krähte der Hahn, um 7 Uhr ging die Sonne auf und um 8 Uhr sammelten wir uns für das Frühstück. Die Damen aus dem Dorf hatten für uns Mandasis und Brot gebacken. Ein frisches Ei durfte natürlich auch nicht fehlen. Als Getränk reichten sie uns heißes Wasser mit einem leicht rauchigen Geschmack, der zwar ungewohnt war, uns aber schnell vertraut wurde. Der Tag verlief ruhig. Man führte uns durch das Dorf, zur neuen Krankenstation, in die Kirche und natürlich in die Schule des Ortes. Am Abend gab es ein hervorragendes Abendessen, es wurde gesungen und gelacht und wir ließen den Tag am Lagerfeuer ausklingen. Der Sonnenuntergang machte das Gefühl perfekt. Die Sonne, die langsam hinter dem Bergen verschwand, tauchte das Dorf in ein traumhaftes Licht und ließ die Wolken und den Himmel in warmen Farben leuchten.  Das hört sich jetzt nach kitschigem Afrikafeeling an – doch genau so war es.

Der Sonntag begann mit einem beeindruckenden Gottesdienst. Fünf Chöre stellten uns mit ihrem Gesang in den Schatten und die Gänsehaut machte sich wieder breit. Direkt im Anschluss starteten wir mit den Sehscreenings. Auf der Krankenstation bauten wir fünf Stationen auf. Je zwei für Fern und Nahsehtest und eine für das Plusoptix Screeninggerät. Wir benutzten die Lea Sehtafeln für Ferne und Nähe, welche für alle Altersgruppen sehr gut geeignet sind. Sie zeigen vier Symbole: ein Haus, Kreis, Viereck und Apfel/Herz. Diese Symbole können benannt oder auch gezeigt werden. So kann dieser Test auch nonverbal durchgeführt werden.

Zum Einstieg untersuchten wir 60 Kinder aus dem Dorf und merkten sofort, was für ein gutes Team wir waren. Die Marafiki hatten im Vorfeld eine ausführliche Unterweisung in der Arbeit mit den Sehtests und dem Plusoptix erhalten. Dank der Einweisung von Dr. Kaupke, Frau van Alen und mir als Orthoptistin wussten alle genau, was zu tun war.

Besuch bei den Nachbarn

Am nächsten Tag ging es mit dem Bus in das erste Nachbardorf Ludodolelo. Dort wurden wir von ca. 80 Kinder aus der ersten und zweiten Klasse erwartet. Alles klappte reibungslos. Die Schüler arbeiteten super mit und warteten immer sehr geduldig, bis sie an der Reihe waren.

Die nächsten Tage verliefen ähnlich. Wir klapperten alle Schulen in unseren Partnerdörfern ab und konnten insgesamt 400 Schüler und Vorschulkinder untersuchen. Die Kinder an den Schulen freuten sich immer sehr, uns zu sehen, doch wirkten sie teilweise auch etwas verängstigt. Mit unseren Kiswahili-Bruchstücken versuchten wir zu vermitteln, was wir vorhaben und dass es keinen Grund zur Sorge gibt.

Natürlich lagen mir vor allem die Sehscreenings sehr am Herzen, doch auf Imke Weidtmann aus dem Tansania Ausschuss und Pastor Poehls warteten auch noch andere sehr wichtige Aufgaben. Alle Aidswaisenkinder mussten für ihre Paten aus Hamburg fotografiert werden und mehrere Treffen zum Ausbau der Quelle in Ludodolelo standen an. Dieses Großprojekt steht für die Marafiki an erster Stelle.

Abschied nehmen 

Am letzten Tag im Dorf Lupombwe besuchten wir die Schule vom Schulleiter Gotfrey. Er ist die gute Seele aus dem Ort und macht seinen Beruf mit Leib und Seele. Schon aus der Ferne vernahmen wir die Trommeln und den Gesang: „Welcome, Welcome Marafiki“ tönte es vom Schulhof. Alle Kinder tanzten und es war offensichtlich, dass an diesem Ort eine fröhliche Stimmung herrscht.

Bei den Screenings merkten wir schnell den Unterschied zu den anderen Schulen. Die Kinder spielten in ihren Pausen sehr ausgelassen, wir bekamen bei den Sehtests das eine oder andere Lächeln und hatten das Gefühl, dass die Schüler richtig Spaß an den Untersuchungen hatten. Am Ende holten wir noch die Seifenblasen raus und tobten mit ihnen über den ganzen Schulhof.

Nach einer Woche Lupombwe, 400 Sehscreenings, bewegenden Begegnungen in Schulen, Kindergärten, Kapellen und Kirchen in den vier Partnerdörfern feierten wir Abschied mit gegrilltem Ziegenbock, Fußball auf der Dorfwiese und dem tiefen Gefühl von Verbundenheit über alle Sprach-, Länder und Kulturgrenzen hinweg. Es war einfach unglaublich.

„Asante sana“ liebe Gastgeber, was übersetzt bedeutet „vielen Dank“, für diese tolle Zeit und Eure überragende Freundschaft und Herzlichkeit.

Das Beste kommt zum Schluss:
Die Big Five aus nächster Nähe

Unsere Reise war noch nicht zu Ende. Ca 12 Stunden Fahrt trennten uns von unserem letzten Highlight, dem Ruaha Nationalpark. Der Bus ruckelte und wackelte wieder Richtung Straße, aber daran hatten wir uns inzwischen gut gewöhnt. Wir genossen den Blick aus dem Fenster und verarbeiteten die Eindrücke aus der letzten Woche.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir das Ziel. Jeder freute sich auf ein Bett und die lang ersehnte Dusche. Als wir zum Abendessen gingen, sahen wir schon von weitem, dass wir Gesellschaft hatten. Um das Wasserloch tummelte sich eine große Elefantenherde und auch der eine oder andere Büffel hatte sich blicken lassen. Die exotischen Tiere aus nächster Nähe zu sehen, war so beeindruckend, dass wir alle das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht bekamen. Da war sie wieder die Gänsehaut, mein stetiger Begleiter in Afrika.

Am nächsten Tag starteten wir in den frühen Morgenstunden nach einem köstlichen Frühstück auf die Safari. Das Eintauchen in die fremdartige Tierwelt lässt sich kaum mit Worten beschreiben. Direkt vor unseren Augen zogen Giraffen, Elefanten, Zebras, Büffel und Gazellen vorbei. Der Gesang zahlreicher Vögel begleitete unseren Weg. Die Krönung zum Schluss war ein Rudel Löwen sowie ein träger Leopard, der gerade sein Mittagsschlaf auf einem Baum hielt.

Aufbruch zur letzten Etappe: Mit einer Zwischenübernachtung landeten wir nach ca. 20 Stunden Busfahrt wieder in Dar es Salam. Bei gefühlt 35° und einer Luftfeuchtigkeit von 90% war es draußen kaum zum Aushalten. Zum Abschluss erlebten wir ein fantastisches Abendessen mit Blick aufs Meer. Dann traten wir die letzte Busfahrt in Richtung Flughafen an.

Unsere Bilanz:
40 Kinder bekommen eine Sehhilfe

Nach der Ankunft in Deutschland habe ich mit Dr. Kaupke alle 400 Screeningbögen durchgearbeitet. Wir haben herausgefiltert, dass 10% der Kinder eine Brillenbedürftigkeit haben und von uns versorgt werden. Die Brillen sind bereits fertig und werden Mitte Februar Hamburg verlassen und die weite Reise nach Tansania antreten. An dieser Stelle gilt unser herzlicher Dank für die tolle Unterstützung und Zusammenarbeit dem »Brillenhaus Blankenese«. Alle Brillen wurden mit Bedacht ausgesucht und für jedes Kind individuell angepasst.

Auch dieses Jahr war die Reise nach Tansania für die H.I.T Stiftung wieder ein voller Erfolg und wir können vielen Kindern das Lernen in der Schule deutlich erleichtern und ihnen damit eine bessere Perspektive für die Zukunft geben.

                                     Lena Kattelmann (Orthoptistin Praxis Dr. Kaupke)

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